Vor 50 Jahren

Das Auto aus dem Entlebuch

„Unter den vielen sportlichen Wagen, die sich des soliden VW - Chassis bedienten, spielte der Enzmann 506 eine besondere Rolle. Er hatte bereits in den 50er Jahren eine Kunstoff - Karosserie. Da die Original-Negativform noch vorhanden ist, könnte man heute noch den Enzmann - Spider nachbauen.Diese Einleitung schrieb 1983 Hans - Joachim Klersy in der Zeitschrift „Gute Fahrt unter der Rubrik Ahnengalerie. 18 Jahre später scheint sich der Gedanke von J. Klersy zu bewahrheiten.

Die Enzmann - Negativform ist in die Familienhände zurückgekehrt und der erste New Enzmann fährt schon herum. Doch was ist überhaupt ein Enzmann? Gerne möchte ich darüber einige Worte verlieren. Im Jahre 1956 entstand in der Adler-Garage in Schüpfheim LU der erste Prototyp des späteren Enzmann 506. Mit diesem Zweisitzer hatte sich mein Vater, unter Mithilfe seiner Familie, den Traum eines preisgünstigen Sportwagens auf einem leicht abgeänderten VW - Chassis erfüllt. In den Grundzügen war der Enzmann 506 schon 1952 fertig, wie das Foto mit dem Entwurf auf dem VW - Prospekt beweist.. Daraus fertigte mein Vater ein Holzmodell im Massstab 1:1 über das dann eine Metallform gedengelt wurde Später wurde davon eine Polyesterform abgenommen. In dieser Negativform wurden dann die Enzmann - Karosserien im Handauflegeverfahren gebaut. Als Baumaterialien dienten Polyesterharz und passend zugeschnittene Glasfasermatten. Nach dem Aushärten konnte man die fertige Rohkarosserie - sie musste nur noch geschliffen, gefüllert und lackiert werden - aus der Form heben. Die Aussenhaut bestand aus einem Stück, Front-, Motorhaube und Sitzschalen wurden gesondert angefertigt.Die Enzmänner verzichteten bei ihrer Kunsstoffkarosserie auf den Einbau von Türen, um dem Wagen ein Höchstmass an Festigkeit, bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion zu verleihen. Statt dessen wurden die Flanken mit Trittnischen versehen und zur Serienausstattung gehörten bereits anatomisch geformte Schalensitze und sogar Sicherheitsgurten, damals höchstens in Rennwagen zu finden.

Da mein Vater, Emil Enzmann, Mediziner war, konstruierte er das Cockpit so, dass die Insassen keiner Zugluft ausgesetzt waren, mit Beifahreraufprallschutz und überdies integrierte er in den hochgezogenen Nackenschutz einen Ueberrollbüge. Fahrfertig wog der knapp einen Meter hohe Enzmann 550 Kilogramm. Zunächst gab es den Enzmann 506 nur als Spider mit durchgehender Plexiglasscheibe und ohne Verdeck, später auch als Cabriolet mit verschiedenen Dachkonstruktionen. Kundenwünsche konnten weitgehend berücksichtigt werden, vor allem wenn es um die Motorisierung ging, denn der 30 PS starke Serienmotor aus dem Käfer reichte für das sportliche Enzmann - Design nicht aus. Judson - Kompressor, MAG - Niederdruckgebläse brachten die Leistung auf 42 PS. Noch mehr Leistung versprach der OKRASA - Motor von Oettinger oder aber die Kunden bestellten gleich einen Porsche - Dame Motor mit 60 PS. Für Bergrennen wurden die Spider auch mit Carrera - Motoren (130 PS) aufgerüstet und wurden so, durch ihr geringes Gewicht, zu ernst zu nehmenden Gegner von Porsches Die Premiere hatte der Enzmann 1956 am Comptoire Suisse den endgültigen Namen bekam er aber an der IAA (Internationale Automobil Ausstellung) 1957 in Frankfurt. Auf dem Stand 506 - der Briefträger adressierte alle Briefumschläge mit der Standnummer, und diese Zusatznummer diente neu als Modellbezeichnung -, war er eine der grossen Attraktionen. Fahrbereit kostete der Spider zwischen CHF 9300.- und CHF 9900.-. Knapp CHF 4000.kostete die Rohkarosserie.1968 wurden die letzte Enzmann - Form verkauft. Aufgrund des sehr grossen Interesses, auf das mein blauer Rennenzmann immer wieder stösst, habe ich mich entschlossen, zusammen mit zwei erfahrenen Partnern, eine Neuauflage des Enzmann 506 zu wagen. Die Form hat viele begeisterte Anhänger auf der ganzen Welt. Ihnen allen wird die Chance gegeben, sich einen Enzmann aufzubauen (auf einem original alten VW -Käferchassis) oder aufbauen zu lassen. Ich werde in meinem Unterfangen von meinen beiden Kompagnons unterstützt. Es ist uns auch klar, dass wir nicht eine neue Schweizer - Automobilindustrie aufziehen können. Der Enzmann wird nur auf Bestellung hin hergestellt. Am 17. September 2001 hatte der erste New Enzmann im Restaurant Muggensturm in Bischofszell, unter Mithilfe der Weinhandlung Cantavino aus Rickenbach, seine Taufe. Sein Götti war der in den 60er Jahren bekannte Schweizer Autorennfahrer Heini Walter. Der New Enzmann kann als Fertigfahrzeug, mit 100 PS Motor und Scheibenbremsen ab CHF 50`000.-, der Bausatz bestehend aus Karosserie, Sitzschalen und Logos ab CHF 13`000.- geordert werden. Die Wartefrist für ein Fertigfahrzeug beträgt gegenwärtig ein halbes Jahr. Wer aber sind die Besitzer der Original - Enzmann - Negativform? Es handelt sich um drei Personen. Enzmann Kari Ältester Sohn des Konstrukteurs Emil Enzmann, Verbindung zur Presse, Enzmann - Archiv, Besitzer des blauen Rennspiders, wohnhaft im Vordergrüt. Gossweiler Walter Garagist, seit 25 Jahren selbständig, 15 Jahre Seat - Vertretung, hat eine langjährige Erfahrung mit der Restauration von englischen Oldtimern, wohnhaft in Bischofszell (TG). Schreiber Werner Selbständiger Karosseriespengler, grosse Erfahrung mit Oldtimern, Spezialist für Polyester - Restaurationen u.a. hat er drei Enzmann 506 neu aufgebaut. Schwiegersohn von E. Enzmann, wohnhaft in Bischofszell. Die Fahrzeuge werden in Bischofszell aufgebaut und können unter folgenden Adresse bestellt oder Probe gefahren werden: New Enzmann, Obere Bisrütistrasse 6, CH - 9220 Bischofszell Tel. 071 / 422 38 41